Leben, lebensführung, Lebensplanung, reduziertes leben

Frühjahrsputz bei Götzendämmerung

Nein, ich bin dieses Jahr nicht spät dran  – ich befinde mich seit weit mehr als 365 Tagen im Dauer-Frühjahrsputz!

Die aufmerksame Leserschaft weiß ja spätestens seit Neustart, dass ich mich in einer Lebensphase befinde, in der es Ziel ist, möglichst viel Ballast in jeglicher Form abzuwerfen. Wobei Phase nicht das korrekte Wort ist – es handelt sich vielmehr ja um eine Lebensführungsentscheidung, die ich getroffen habe.

So verschieden der Ballast, so unterschiedlich auch die Form und Dauer der Zielerreichung. Da meine Entscheidung zur Reduktion alle Bereiche meines Lebens betrifft, wird sich dieses Thema dann auch noch auf einige Blogbeiträge ausweiten – das zur Vorwarnung! Und eines sei vorweg genommen – das einzig einfache an der Reduktion als Lebensziel war für mich die Entscheidung FÜR sie.

Womit ich nicht gerechnet hatte, war,  wie schwer es werden würde, sich in vielen Bereichen GEGEN  Dinge zu entscheiden. Und noch unvorbereiteter traf mich die Erkenntnis, dass der Reduktionsprozess zuweilen einfach unendlich lange dauert!

Und hier betritt #44 das Spielfeld.

#44 ist der letzte der „Sprüche und Pfeile“ in Friedrich Nietzsches Götzendämmerung* und ich betrachte ihn als so eine Art permanenten Finalgegner in meiner andauernden Auseinandersetzung mit meinem Lebensweg und darauf getroffenen Entscheidungen:

Formel meines Glücks: Ein Ja. Ein Nein. Eine gerade Linie. Ein Ziel.

Don’t Panic! Ich werde hier keine philosophische Abhandlung schreiben und versuche, mich in diesem Beitrag wirklich kurz zu fassen – mit #44 bin ich ja sowieso noch nicht fertig, ebenso wie mein Lebensweg noch nicht zu Ende ist! – deshalb hier die Darstellung meines VERSUCHs, Nietzsches Formel beim Thema Reduktion in die Tat umzusetzen:

Reduktion in 5 Komma 287 Schritten

1  Ein JA! Die klare Entscheidung für ein reduziertes Leben – Ja, ich kann und werde mich von allen unnötigen Dingen um mich herum trennen. Ziel: Definiere, was Du brauchst: Klares Umfeld schaffen.

1.1 Mit  dem Wegwerfen von Dingen kommen (unerwartet?!) Erinnerungen & Emotionen an die Oberfläche, die neue Prozesse starten.

2  Ein JA! Ja, ich stelle mich den emotionalen Herausforderungen und entscheide mich, auch hier Ballast durch Konfrontation und bewusste Aufarbeitung los zu werden.

2.1 Emotionalen Ballast loszuwerden braucht unglaublich viel Kraft und idealerweise ein klares Umfeld. Um dieses wiederum zu schaffen, kehren wir zu Punkt 1 zurück. Punkt 1 benötigt Zeit und ebenfalls (vor allem körperliche) Kraft.

2.2 Hier läuft schon jetzt gar nichts mehr hinter einander ab. Das eine greift in das andere, Prozesse entwickeln sich in einander und manchmal  parallel zu einander. Wo war nochmal die gerade Linie?!

3  Ein NEIN! Ich gebe jetzt nicht auf. Auch ein Nein gegen das Getriebensein – von  sich selbst, falschen Ansprüchen, falschem Ehrgeiz und Perfektionismus.

3.1 Pause. Zur Ruhe kommen. Prozesse benötigen Zeit.

4  Ein NEIN! Um ein klares JA zu formulieren, bedarf es auch eines klaren NEINs! Ich muss wissen, was ich NICHT mehr will:  Reduktion schädlicher äußerer Einflüsse wie Pflichten, Verpflichtungen, auferlegte Rollen. Die Entscheidung gegen den Ballast der Fremdbestimmung.

4.1 Raum schaffen.  In sich und um sich herum. Also, zurück zu 1 und 2!

4.2  Ich bin  gerade wieder bei 3.1 angekommen! Allerdings habe ich unterwegs tatsächlich schon einiges an Ballast verloren.

5  Da ist tatsächlich die gerade Linie wieder! In der Ruhe endlich Zeit haben für eine Bestandsaufnahme. Erkennen, dass die bis hierhin erreichte mentale und emotionale Freiheit für einen klaren Blick nach hinten UND nach vorne sorgt. Es geht nicht nur um die Formulierung des Ziels – Du musst es auch begreifen und beständig darauf überprüfen, ob es für Dich noch Sinn macht.

5.1 Es DÄMMERT mir:  Die Formel des Glücks liegt einmal mehr nicht in der Perfektion/der Vollendung als Ziel, sondern vielmehr in der Veränderung. Und die gelingt nur, indem wir immer wieder auf diese verd….e gerade Linie zurückkehren und weitergehen…

Wer sich jetzt noch fragt, was das alles mit Frühjahrsputz zu tun hat, der darf sich noch ein wenig auf den Blogseiten umschauen.  Während des Ausmistens sind mir weitere Bilder und Texte in die Hände gefallen, die zur Veröffentlichung bestimmt waren; außerdem habe ich meine Gedanken-und Gefühls-Stehrümmchen sortiert und dabei auch gleich nochmal den Blog aufgeräumt.

Das Ergebnis seht Ihr unter anderem in der Box

 

*Der Fall Wagner. Götzen-Dämmerung. Der Anti-Christ. Ecce homo. Dionysos-Dithyramben. Nietzsche contra Wagner. Kritische Studienausgabe, hrggb. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari. Band 6 (von 15) apart. Broschiert, deGruyter – 1. Januar 1999       

 

 

 

Ein Gedanke zu „Frühjahrsputz bei Götzendämmerung“

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