Allgemein, Ü40, Leben

(Liebes-)Brief an meine Mutter

Nun bis Du also gegangen.

Der Tag, den wir alle kommen sahen, dessen Ankunft wir alle ignorieren wollten, war da, ging vorbei, ist vergangen. Wie naiv, wie arrogant von mir zu denken, ich hätte mich darauf vorbereiten können. Als wäre es ein Projekt, das man planen kann – mit Checklisten, Logik und Vernunft. Aber auf dieses Gefühl, den Schmerz des unwiederbringlichen, endgültigen Verlusts kann Dich nichts vorbereiten.

Du bist also gegangen – aber so vieles von Dir bleibt, wird uns weiter durch unser Leben begleiten:

Dein (Über-) Lebenswille, Dein Mut, Optimismus, Deine Kraft, die Positivität, die viele – auch ich – manchmal belächelt haben, weil wir sie für Naivität hielten.

Egal, Du hast zurück gelächelt, hast Dich nicht vergiften lassen von Ihrem Neid, ihrer verkopften Arroganz.

Am Ende gibt der Erfolg Dir Recht, denn Du hast Unfassbares geleistet. All die Tiefschläge, die Krisen, all das, was das Leben auch Schlechtes zu bieten hatte, an dem viele zerbrochen wären – und zum Ende auch noch diese verdammte Krankheit – all das hast du gemeistert, bist du selbst geblieben.

Immer Kämpferin, immer Siegerin.

Auch den letzten Kampf hast Du nicht verloren, denn Du hast die Stirn geboten; selbst die letzten Schritte bist Du alleine gegangen – in Würde, bis zum Ende.

Selbstbestimmt und stark.

Danke, dass ich Dich dabei begleiten und ein wenig stützen durfte.

Denn Dein Leben lang warst du getragen von unerschütterlichem Vertrauen, von Zuversicht und von der Liebe und so hast Du mich getragen, mit diesem Vertrauen, der Zuversicht und der Liebe.

Und diese Liebe, die nichts will, die einfach nur IST, die lebt in mir weiter.

Sie wird wachsen, ihren Raum fordern, vielleicht sogar den Schmerz und die Trauer verdrängen.

Es schließt sich kein Kreis – es bleibt für immer eine Lücke, die nichts und niemand je wieder füllen kann. Und auch das ist gut so. Denn dadurch ist nichts zu Ende – es geht, DU gehst weiter, jeden Schritt mit mir in meinem Leben, und auch das geht jetzt weiter.

Das zu erkennen, in dem Moment, in dem der Mensch, dem ich meinen ersten Atemzug zu verdanken habe, seinen letzten tut, ist eines der größten Geschenke.

Ich danke Dir

2 Gedanken zu „(Liebes-)Brief an meine Mutter“

  1. Das sind wunderschöne Worte für eine Mutter, die den Weg eines Kindes ebnete. Wie schön, sie mit diesen Zeilen beschrieben zu lesen: stark, mutig und kraftvoll. In Texten wie diesen und den dazu passenden Gedanken wird sie immer fortbestehen. Well said….!

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