Allgemein, Leben

Fortgang

Meine Mutter ist fort gegangen. Für immer.

Das Gefühl des unwiederbringlichen Verlusts lässt Dich verstummen, es lässt dich innerlich erstarren. Bei mir war dies zumindest so. Ich habe es nur nicht gemerkt.

Absurd, oder?

Und doch irgendwie auch wieder nicht, denn mein Körper und mein Kopf haben ja weiter funktioniert – monatelang. Bis mir irgendwann auffiel, dass etwas fehlt – meine (nennen wir sie) Seele war auf der Strecke geblieben. Es hat wirklich eine Weile gedauert, bis das aufgefallen ist, denn in der Zwischenzeit hatten sich Schichten von Pflichterfüllung, Alltagsproblemen und oberflächlichen Ablenkungen aufgebaut. So, wie ich meine Zäune gerne gegen Angriffe von außen aufbaue, hatte ich meine Seele unter gepanzerten Schichten eingeschlossen. Das Gute daran: sie war nicht weg, nur irgendwo weit unten versteckt. Dort war sie zumindest geschützt und hat unbemerkt begonnen, neue Kraft zu sammeln; hat angefangen, hier und da mal ein Stück des Panzers aufzubrechen.20200410_183336

Bis sie endlich wieder fast ganz zum Vorschein kam (einen Teil halte ich zum Selbstschutz immer unter Verschluss – das sollte meiner Meinung nach jeder tun…).

Der Weg zur Erkenntnis ist manchmal wirklich steil und steinig – auf ihm musste ich Etappe für Etappe erst einmal wieder Kopf, Körper und Seele zusammenbringen. Als mir das dann einigermaßen gelungen war, fragte ich mich, woher diese Kraft kam – zum einen, den Panzer wieder aufzubrechen, zum anderen, mich und mein Leben wieder in so etwas Annäherndes wie Einklang zu bringen.

Wie gesagt, der Weg ist manchmal steinig – und ich glaube ehrlich, ich bin auf ihm einfach über die Erkenntnis eher zufällig gestolpert: diese Kraft ist das, was meine Mutter mir ganz am Anfang mit auf meinen (Lebens-) Weg gegeben hat und sie ist das, was meine Mutter mir am Ende ihres Weges überlassen hat – damit ich weitergehen kann. Genau DAS tue ich JETZT – dafür bin ich meiner Mutter unendlich dankbar und auch ein gutes Stück stolz auf mich.

Und so ist der (LIEBES-)BRIEF AN MEINE MUTTER auch irgendwie ein Brief an mich selbst.

2 Gedanken zu „Fortgang“

  1. Es tut mir leid um den Verlust Deiner Mutter. Es ist schwer zu beschreiben, was das in einem alles auslöst. Ich selbst habe das vor ein Paar Jahren auch durchstehen müssen. Ein Trost: meine geliebte Oma, die in Vielem für mich meine Mutter war, ist noch immer da. Manchmal sehe ich sie in den Augen eines Spatzes auf meinem Fenstersims – manchmal erscheint sie mir in Form eines Sonnenstrahls. Ähnlich wird es Dir hoffentlich gehen, das wünsche ich Dir. Sei gedrückt.

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